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Routine im Test: Das Spiel mit der Angst vor leblosen Orten

Bildquelle: Square
Routine im Test: Das Spiel mit der Angst vor leblosen Orten
Marco Kolditz
Von Marco Kolditz am
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Das Spiel „Routine“ entführt Euch auf eine verlassene Mondbasis im Stil einer retro-futuristischen Welt. Der unheimliche Mix aus analoger Technik und liminal beklemmender Architektur und intensiver Geräuschkulisse schafft eine Atmosphäre, die schnell unter die Haut geht. Mein Test zum Sci-Fi-Spiel!

Schon das Grundsetting von Routine wirkt wie eine Zeitkapsel, die in einer alternativen Version der 80er Jahre stecken geblieben ist. Entwickelt wurde das Spiel über 13 Jahre hinweg von Lunar Software und soll ein immersives Horror-Erlebnis bieten, das ohne klassische Hilfssysteme auskommt. Statt festen Wegmarkern oder klaren Anzeigen setzt Routine auf manuelle Bedienung, analoge Oberflächen und ein konsequent reduziertes Interface. Das Ergebnis ist ein Abenteuer, das eine ungewöhnliche Mischung aus Erkunden, technischen Rätseln und schleichbasiertem Überleben erzeugt. Wer hier vorankommen möchte, muss die Umgebung aufmerksam lesen, Geräte eigenhändig steuern und Hinweise in Texten oder Logbüchern erkennen. Die Retro-Ästhetik, das C.A.T.-Werkzeug als zentrales Interaktionselement und die schrittweise Aufdeckung der Ereignisse bilden das Herzstück dieses Sci-Fi-Horrors, der Euch sowohl geduldig als auch aufmerksam fordert.

Routine im Test: Screenshot

Die Story von Routine: Isolation auf der Mondstation und das Spiel mit Liminal Spaces

Routine schickt mich im Test als Techniker auf eine scheinbar verlassene Mondbasis, die eigentlich nur einen Routine-Check benötigt. Doch schon nach wenigen Minuten entsteht das Gefühl, dass etwas grundlegend schiefgelaufen ist. Ich erwache ohne Erinnerungen, finde mich in einem engen Raum wieder und arbeite mich durch sterile, metallische Korridore, in denen jede Geräuschquelle eine Bedeutung zu haben scheint. Die Station wirkt verlassen, gleichzeitig aber nicht vollständig still. Genau hier entfaltet Routine seine besondere Wirkung: Viele Bereiche fühlen sich an wie klassische Liminal Spaces, also Räume, die früher voller Leben gewesen sein müssen, aber nun in einem merkwürdigen Zwischenzustand verharren. Es ist dieses leicht flaues Gefühl im Bauch, wenn ein Ort seinen Zweck verloren hat und sich dadurch auf eine subtile Weise „falsch“ anfühlt.

Auf dem Mond kann es schnell sehr einsam sein

Das Storytelling setzt weitgehend auf Texte, Tonaufnahmen und Umgebungsdetails. Je mehr ich mich durch die Station bewege, desto deutlicher zeichnen sich die Bruchlinien ab: Technische Ausfälle, kryptische Hinweise der ehemaligen Crew und ein immer stärkeres Gefühl, dass die Station sich selbst gegen mich richtet. Die Erzählweise bleibt bewusst fragmentiert, nie aufdringlich, aber gerade dadurch oft wirkungsvoll. Besonders die Mischung aus retrofuturistischer Technik (Alien Isolation lässt grüßen!) und fragiler Infrastruktur trägt diesen Effekt. Ich arbeite mich durch Kontrollräume, Wohnquartiere, Labor-Bereiche und später sogar über die Mondoberfläche, wobei jeder Abschnitt einen eigenen Ton setzt.

Routine im Test: Screenshot

Routine verzichtet fast vollständig auf klassische Zwischensequenzen und lässt die Geschichte vor allem durch Erkundung entstehen. Das erzeugt stellenweise eine starke Immersion, kann aber für alle, die klare Führung erwarten, auch anstrengend wirken. Gerade weil das Spiel keine Karte bietet und Hinweise teilweise subtil eingebettet sind, muss ich mich aktiv mit Logs, Displays und Audioaufnahmen auseinandersetzen. Das Story-Finale liefert einen guten erzählerischen Bogen, auch wenn nicht jede Spur vollständig aufgelöst wird. Dennoch bleibt der Eindruck einer durchdachten Spiel-Vision, die sich der Spielerfahrung unterordnet.

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Das Gameplay: Technik, Gefahr und viele kleine Hürden

Routine baut seine Spielmechaniken fast ausschließlich um Erkundung, vorsichtiges Schleichen und technische Rätsel auf. Die Basis bietet viele Geräte, Terminals und Türen, die sich nur über das C.A.T. bedienen lassen, einem multifunktionalen Werkzeug, das als Scanner, Terminalzugang und improvisierte Verteidigung dient. Diese konsequente Einbettung der Bedienung in die Spielwelt wirkt zunächst beeindruckend und intuitiv. Sobald ich mich vor einen Bildschirm stelle, verwandelt sich das übliche Fadenkreuz automatisch in einen Mauscursor des jeweiligen Displays. Dieser Effekt hat mich direkt abgeholt, weil er die Immersion elegant verstärkt.

Das C.A.T.-Werkzeug ist ein elementares Gameplay-Element im Spiel

Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine der größten Herausforderungen des Spiels: Die Bedienung der Systeme wirkt oft sperrig. Manche Terminals scrolle ich ohne Mausrad durch, andere verlangen präzise Eingaben, während im Hintergrund Gegner patrouillieren. Das Spiel erklärt wenig und verlangt viel Eigeninitiative, was je nach persönlicher Toleranz entweder befriedigend oder frustrierend sein kann.

Routine im Test: Screenshot

Die Gegner im Spiel selbst bestehen aus Robotern und später einem weiteren Wesen, das weniger vorhersehbar agiert. Die Roboter reagieren im Test auf Geräusche und Bewegung und setzen mich gelegentlich unter Stress. Allerdings fällt schnell auf, dass ihre künstliche Intelligenz schwankt. Manche Verfolgungen fühlen sich gefährlich an, andere verlaufen seltsam stumpf. Statt Horror entsteht dann ein Pausenmoment, in dem ich warte, bis die Luft rein ist. Das unterbricht den Spiel-Flow, besonders wenn ich ohnehin gerade mit einem Rätsel beschäftigt bin.

Die Rätsel im Test hingegen gehören für mich zu den gelungensten Elementen. Sie sind logisch aufgebaut, verlangen Aufmerksamkeit und bleiben angenehm nachvollziehbar. Manche Codes muss ich in Notizen finden, andere Aufgaben bestehen aus manuellen Reparaturabläufen, Diagnoseprotokollen oder dem Einsatz spezieller C.A.T.-Module wie dem UV-Licht. Diese Mischung aus Beobachtung und Technik fühlt sich organisch an und fügt sich gut in die Umgebung ein.

Grafik und Sound in Routine: Atmosphärische Stärke

Was mich beim ersten Anspielen sofort beeindruckt hat ist die grafische Gestaltung von Routine. Die Station wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zukunft: Klobige Monitore, flackernde Anzeigen, enge Korridore, ein körniger Bildlook und ein genereller Stil, der stark an analoge VHS-Aufnahmen erinnert. Viele Räume wirken wie eingefrorene Momentaufnahmen einer Station, die einst funktioniert hat, aber nun in einem liminalen Schwebezustand liegt: Vertraut genug, um ihren ursprünglichen Zweck zu erkennen und gleichzeitig fremd genug, um Unbehagen auszulösen. Flackernde Lichter, tiefe Schatten und harte Kontraste geben der Station eine Präsenz, die mich schnell in Spielgeschehen hineinzieht. Auch die Darstellung über den VHS-ähnlichen Filter trägt zur Stimmung bei, wirkt aber manchmal etwas zu dunkel.

Routine im Test: Screenshot

Der Sound im Spiel spielt eine zentrale Rolle. Metallische Schritte in der Ferne, dröhnende Maschinen, undefinierbare Hallgeräusche oder ein leises Summen hinter Wänden erzeugen einen akustischen Druck, der die ohnehin angespannte Atmosphäre verstärkt. Besonders die Momente, in denen das C.A.T. bestimmte Signale sichtbar oder hörbar macht, verstärken das Gefühl der Verletzlichkeit und Gefahr. Die Musik ist sparsam eingesetzt, aber wenn sie einsetzt, trägt sie wirkungsvoll zur Stimmung bei. Die Detailtiefe des Sounddesigns im Test sorgt dafür, dass selbst alltägliche Geräusche wie Türhydraulik plötzlich beunruhigend wirken.

Das Spiel mit der Angst vor verlassenen Orten

Was mir gefallen hat: Die dichte Atmosphäre

Routine erzeugt im Test über seine Grafik, seinen Sound und die immersive Bedienung eine Stimmung, die mich sofort gepackt hat. Besonders so ein kleiner Moment am Anfang des Spiels, wenn sich das zentrale „Fadenkreuz“ automatisch in einen Mauscursor verwandelt, sobald ich auf einen Bildschirm schaue, war für mich ein kleines Highlight – ich liebe solche Details. Die retrofuturistische Welt wirkt liebevoll konzipiert und viele Umgebungen erzählen beiläufig Geschichten, ohne sie auszuformulieren – Futter für das eigene Kopfkino! Auch das C.A.T. fühlt sich wie ein glaubwürdiges Werkzeug an, das mir im Spielverlauf immer weiter ans Herz wächst.

Routine im Test: Screenshot

Was mir nicht gefallen hat: Orientierung und KI bremsen den Spielfluss

So sehr mich Atmosphäre und Grafik im Review begeistern konnten, so häufig stolperte ich über die Steuerung und die Orientierung. Manche Hinweise sind schlicht zu subtil eingebettet, sodass ich längere Zeit ratlos durch Bereiche gelaufen bin. Gleichzeitig unterbricht die teils stumpfe KI der Gegner den Spielfluss. Manche Roboter agieren zwar bedrohlich, andere wirken überraschend träge oder verharren lange in Schleifen, was eher anstrengend als spannend ist. Die technische Bedienung, die zu Beginn fasziniert, wird in hektischen Momenten gelegentlich zu einer Hürde.

Routine im Test: Mein Fazit

Routine beeindruckt im Test mit einer starken immersiven Atmosphäre und einer Spielwelt, die sich wie ein eigenständiger Charakter anfühlt. Die Mischung aus manueller Technikbedienung und Erkundung sorgt für einen besonderen Reiz, gerade wenn Ihr Geduld mitbringt und Freude an analogen Science Fiction-Welten habt. Gleichzeitig können Orientierungsschwierigkeiten, sperrige Steuerungsmomente und die unausgeglichene Gegner-KI den Spielfluss stören. Für mich überwiegt dennoch der positive Eindruck, da Grafik, Sound und Immersion einige der besten Momente des Spiels liefern. Vor allem Fans von Liminal Space-Horrorspielen finden hier eine Erfahrung, die genau diese besondere Art von Unbehagen hervorruft.

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Wertung: Routine
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Das Spiel "Routine" verbindet im Test eine immersive Atmosphäre mit einer retrofuturistischen Welt und dem Spiel mit der Angst rund um verlassene Orte, die mich schnell in ihren Bann gezogen hat, auch wenn Gegner-KI und Orientierung gelegentlich ausbremsen. Trotz dieser Kritikpunkte kann ich das Spiel vor allem Fans von Liminal Space-Horrorspielen empfehlen!
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Review von Marco Kolditz

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Marco Kolditz ist unter dem Namen "MEER DER IDEEN" seit 2009 als Content Creator in München selbstständig und pflegt nebenher dieses Blogmagazin.
Marco Kolditz hat bislang 422 Artikel geschrieben.